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Studie · Viszeralchirurgie

Videoassistierte Aufklärung verkürzt das ärztliche Aufklärungsgespräch um 72 bis 81 %

Das Universitätsklinikum Würzburg hat videoassistierte und konventionelle OP-Aufklärung verglichen. Mit Video sank die mediane ärztliche Gesprächszeit vor Cholezystektomie von 8,1 auf 1,5 Minuten (−81 %) und vor Kolonresektion von 11,9 auf 3,3 Minuten (−72 %). Verständnis und Zufriedenheit der Patient:innen waren in beiden Gruppen hoch.

Universitätsklinikum Würzburg · World Journal of Surgery 2026 · Open Access (CC BY)

Ärztliche Gesprächszeit in Minuten (Median)

Cholezystektomie

Cholezystektomie, Videoassistiert: 1,5 Min. (95-%-KI 1,1–2,3)
Cholezystektomie, Konventionell: 8,1 Min. (95-%-KI 7,4–10,5)

Kolonresektion

Kolonresektion, Videoassistiert: 3,3 Min. (95-%-KI 2,1–4,6)
Kolonresektion, Konventionell: 11,9 Min. (95-%-KI 10,4–16,4)

Auf einen Blick

Die Ergebnisse in Zahlen

ärztliche Gesprächszeit vor Cholezystektomie (Median 1,5 statt 8,1 Min.)
−81 %
ärztliche Gesprächszeit vor Kolonresektion (Median 3,3 statt 11,9 Min.)
−72 %
auch einschließlich Video-Erstellung vor Cholezystektomie (3,5 statt 8,1 Min.)
−57 %
Patient:innen, davon 84 mit videoassistierter Aufklärung
153

Studiendesign

Zwei Eingriffe, zwei Verfahren, eine Stoppuhr

Verglichen wurde die videoassistierte Aufklärung mit der konventionellen ärztlichen Aufklärung nach Hausstandard. Die Zuteilung erfolgte nach Studienzeiträumen – alle Patient:innen eines Zeitraums erhielten dasselbe Verfahren, die Zeiträume wechselten sich ab.

  1. 1Individuelles VideoDie ärztliche Person wählt nach Indikation und geplantem Eingriff modulare Sequenzen aus; daraus entsteht ein patientenindividuelles Video.
  2. 2Video im eigenen TempoPatient:innen sehen das Video auf einem Tablet mit Kopfhörern – so oft sie möchten.
  3. 3Ergänzendes GesprächIm anschließenden ärztlichen Gespräch werden offene Fragen geklärt und die schriftliche Einwilligung eingeholt.
Design
Prospektiv, cluster-quasi-randomisiert, monozentrisch
Zentrum
Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie, Universitätsklinikum Würzburg; Ethikvotum der Universität Würzburg (112/22-sc)
Zeitraum
September 2023 bis März 2025
Patient:innen
153 eingeschlossen (330 gescreent) – 107 vor Cholezystektomie, 46 vor Kolonresektion
Gruppen
84 videoassistiert, 69 konventionell
Primärer Endpunkt
Dauer der ärztlichen Beteiligung an der Aufklärung, gemessen mit der Stoppuhr
Sekundäre Endpunkte
Verständnis und Zufriedenheit der Patient:innen, Zufriedenheit der Ärzt:innen, postoperative Schmerzen
Registrierung
ISRCTN26680260

Ergebnisse

Was die Studie gemessen hat

72 bis 81 % weniger ärztliche Gesprächszeit

Die Zeitersparnis war der primäre Endpunkt der Studie. Gemessen wurde die Zeit, die die ärztliche Person für die Aufklärung aufwendet – in der Videogruppe das ergänzende Gespräch nach dem Video. Vor Cholezystektomie sank sie um 6,6 Minuten (−81 %), vor Kolonresektion um 8,6 Minuten (−72 %; jeweils p < 0,0001).

Ärztliche Gesprächszeit in Minuten (Median)

Cholezystektomie

Cholezystektomie, Videoassistiert: 1,5 Min. (95-%-KI 1,1–2,3)
Cholezystektomie, Konventionell: 8,1 Min. (95-%-KI 7,4–10,5)

Kolonresektion

Kolonresektion, Videoassistiert: 3,3 Min. (95-%-KI 2,1–4,6)
Kolonresektion, Konventionell: 11,9 Min. (95-%-KI 10,4–16,4)

Median mit 95-%-Konfidenzintervall; 107 Patient:innen vor Cholezystektomie, 46 vor Kolonresektion. Prozentangaben aus den Medianen berechnet.

Werte als Tabelle
VideoassistiertKonventionell
Cholezystektomie1,5 Min.95-%-KI 1,1–2,38,1 Min.95-%-KI 7,4–10,5
Kolonresektion3,3 Min.95-%-KI 2,1–4,611,9 Min.95-%-KI 10,4–16,4

Auch mit Erstellung des Videos bleibt ein deutlicher Zeitvorteil

Die meisten Ärzt:innen benötigten ein bis drei Minuten, um ein individuelles Video zusammenzustellen. Rechnet man zwei Minuten dafür hinzu, bleibt die ärztliche Zeit mit Video um 57 % (Cholezystektomie) beziehungsweise 55 % (Kolonresektion) kürzer.

Ärztliche Zeit einschließlich Video-Erstellung in Minuten (Median)

Cholezystektomie

Cholezystektomie, Videoassistiert: 3,5 Min. (95-%-KI 3,1–4,3)
Cholezystektomie, Konventionell: 8,1 Min. (95-%-KI 7,4–10,5)

Kolonresektion

Kolonresektion, Videoassistiert: 5,3 Min. (95-%-KI 4,1–6,5)
Kolonresektion, Konventionell: 11,9 Min. (95-%-KI 10,4–16,4)

Die Erstellungszeit wurde nachträglich erfragt und als Schätzwert von zwei Minuten addiert; die Autor:innen empfehlen eine vorsichtige Interpretation. Prozentangaben aus den Medianen berechnet.

Werte als Tabelle
VideoassistiertKonventionell
Cholezystektomie3,5 Min.95-%-KI 3,1–4,38,1 Min.95-%-KI 7,4–10,5
Kolonresektion5,3 Min.95-%-KI 4,1–6,511,9 Min.95-%-KI 10,4–16,4

Verständnis und Zufriedenheit hoch – in beiden Gruppen

Patient:innen bewerteten ihr Verständnis und ihre Zufriedenheit vor und nach der Operation in beiden Gruppen sehr hoch; die Unterschiede zwischen den Gruppen waren statistisch nicht signifikant. Auch die Schmerzwerte nach der Operation waren in beiden Gruppen niedrig.

  • 4 von 4„Ich habe den Eingriff gut verstanden.“ – Median in beiden Gruppen
  • Sehr zufriedenGesamtzufriedenheit mit der Behandlung – Median in beiden Gruppen
  • 0–1 von 10Schmerzwert nach der Operation (NRS, Median)

Ärzt:innen bewerten das Verfahren positiv

Nach Studienende bewerteten 14 beteiligte Ärzt:innen, die beide Verfahren durchgeführt hatten, die videoassistierte Aufklärung.

  • 3 von 4insgesamt zufrieden mit der videoassistierten Aufklärung (Median)
  • 3 von 4Durchführung einfach (Median)
  • 4 von 4Videos ansprechender als Zeichnungen im konventionellen Gespräch (Median)
  • 1–3 Min.Erstellung eines individuellen Videos (häufigste Angabe)

Einordnung

Was die Studie zeigt – und was nicht

Das zeigt die Studie

  • Videoassistierte Aufklärung ging bei beiden Eingriffen mit einer um 72 bis 81 % kürzeren direkten ärztlichen Gesprächszeit einher – auch einschließlich Video-Erstellung blieb sie deutlich kürzer.
  • Verständnis und Zufriedenheit der Patient:innen waren in beiden Gruppen hoch.
  • Die beteiligten Ärzt:innen bewerteten das Verfahren als zufriedenstellend und einfach umsetzbar.

Grenzen der Studie

  • Zuteilung nach abwechselnden Studienzeiträumen statt zufällig und ohne Verblindung; Auswahleffekte sind nicht auszuschließen.
  • Monozentrisch und auf zwei elektive viszeralchirurgische Eingriffe begrenzt.
  • Verständnis und Zufriedenheit wurden über kurze Selbstauskünfte erhoben; die Studie war nicht darauf ausgelegt, Gleichwertigkeit nachzuweisen.
  • Gemessen wurde die direkte ärztliche Gesprächszeit, nicht die Gesamtdauer des Aufklärungsprozesses.

Die Autor:innen empfehlen multizentrische randomisierte Folgestudien, die den gesamten Aufklärungsablauf und die Wirtschaftlichkeit untersuchen.

Publikation

Video-Assisted Versus Conventional Surgical Informed Consent in Visceral Surgery – A Cluster Quasi-Randomized Clinical Trial

Leicht SGPD, Schuetze L, Lock JF, Germer CT, Wagner JC. World J Surg 2026; 50(10): 2866.

Zeitschrift
World Journal of Surgery, 2026
Zugang
Open Access (CC BY)

Transparenz

Die Studie wurde vom Universitätsklinikum Würzburg durchgeführt und ausgewertet. medudoc stellte die Aufklärungsvideos für die Studiendauer kostenfrei zur Verfügung; die Open-Access-Veröffentlichung finanzierte die Universität Würzburg. Erste Ergebnisse mit 101 Patient:innen wurden im Oktober 2024 auf dem Kongress Viszeralmedizin vorgestellt (Z Gastroenterol 2024; 62(09): e834). Die Werte auf dieser Seite stammen aus der vollständigen Publikation.

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