Ein OP-Termin steht fest, das Prämedikationsgespräch ist geplant. Erst bei der Vorstellung berichtet ein Patient, dass er im Alltag zunehmend Hilfe benötigt. Bei einer anderen Patientin liegt ein auffälliger Hämoglobinwert vor, dessen Ursache noch ungeklärt ist. Beide Situationen werfen dieselbe organisatorische Frage auf: Wann hätte die weitere Abklärung beginnen können?

Ärztin bespricht mit einem älteren Patienten die Vorbereitung auf eine Operation in der Prämedikationsambulanz

Symbolbild, KI-generiert: Gespräch zur präoperativen Vorbereitung.

Zwei aktuelle Leitlinien geben Anlass, den präoperativen Ablauf zu überprüfen. Die S3-Leitlinie zur perioperativen Versorgung von Patient:innen mit Frailty hat den Stand August 2025. Die aktualisierte S3-Leitlinie zur präoperativen Anämie hat den Stand Februar 2026. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) hat 2026 über beide Veröffentlichungen informiert. Die Leitlinien behandeln unterschiedliche Risiken. Gemeinsam bieten sie einen Ausgangspunkt, um die frühzeitige Vorbereitung in der Prämedikationsambulanz weiterzuentwickeln. Quellen: DGAI zur Frailty-Leitlinie, DGAI zur Anämie-Leitlinie.

Frailty vor der OP: Belastbarkeit und Unterstützungsbedarf verstehen

Frailty beschreibt eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Belastungen. Das Lebensalter allein bildet diesen Zustand nicht ausreichend ab. Hinweise können ungewollter Gewichtsverlust, zunehmende Schwäche, eingeschränkte Beweglichkeit und eine veränderte körperliche Belastbarkeit sein. Auch der Unterstützungsbedarf im Alltag liefert wichtige Informationen. AWMF: Patientenleitlinie zu Frailty

Die Fachleitlinie empfiehlt, das Frailty-Screening so früh wie möglich durchzuführen – bei elektiven Eingriffen bereits bei der OP-Indikationsstellung. Diese zeitliche Empfehlung beruht auf einem Expert:innenkonsens. Wer Frailty früh erfasst, kann den Frailty-Status in der weiteren Versorgung berücksichtigen und bei Bedarf zusätzliche Abklärung oder vorbereitende Maßnahmen planen. AWMF: Frailty-Leitlinie, Abschnitt 4.3

Für die Prämedikationsambulanz zählt deshalb, ob diese Angaben schon vor dem Gespräch vorliegen und wer sie weiterbearbeitet. Das Frailty-Screening folgt einem festgelegten klinischen Verfahren. Anamnestische Hinweise dienen der Vorbereitung; ihre fachliche Einordnung bleibt Aufgabe des Behandlungsteams.

Präoperative Anämie: Ein auffälliger Befund braucht einen Folgeprozess

Die aktualisierte Anämie-Leitlinie beschreibt die präoperative Anämie als unabhängigen Risikofaktor und als wichtigen Bestandteil des Patient Blood Managements. Im Mittelpunkt stehen die Diagnostik und eine Behandlung, die sich an der jeweiligen Ursache orientiert. AWMF: S3-Leitlinie zur präoperativen Anämie

Ein niedriger Hämoglobinwert (Hb-Wert) beantwortet die Ursachenfrage noch nicht. Eisenmangel ist eine mögliche Erklärung; auch chronische Erkrankungen, Nierenfunktionsstörungen oder andere Mangelzustände kommen infrage. Die DGAI betont die rechtzeitige Ursachendiagnostik und eine gezielte Therapie. Eine undifferenzierte Eisentherapie ohne Nachweis eines Eisenmangels empfiehlt sie nicht. DGAI: Einordnung der aktualisierten Anämie-Leitlinie

Daraus ergibt sich für den Klinikablauf eine praktische Aufgabe: Ein relevanter Befund muss eine zuständige Person erreichen und einen klaren nächsten Schritt auslösen. Wer sichtet die Ergebnisse? Wer veranlasst die weitere Abklärung? Und wer verfolgt, ob sie vor dem Eingriff abgeschlossen ist?

Welche Informationen braucht die Prämedikationsambulanz frühzeitig?

Die folgenden Informationsbereiche eignen sich als Ausgangspunkt für eine klinikintern abgestimmte Vorbereitung. Die Übersicht dient der organisatorischen Orientierung; Untersuchungen und Screeningverfahren legt das Behandlungsteam fest.

Informationsbereich Beispiele für die Vorbereitung
Alltag und Belastbarkeit Mobilität, Selbstständigkeit, Veränderungen des Unterstützungsbedarfs
Ernährung und Gewichtsverlauf Angaben zu unbeabsichtigtem Gewichtsverlust und bestehenden Ernährungsproblemen
Vorerkrankungen und Medikation Aktuelle Erkrankungen, Medikamentenliste, bereits bekannte Anämie und bisherige Behandlung
Vorhandene Befunde Relevante Arztbriefe und Laborergebnisse einschließlich Datum
Offene Abklärungen Fehlende Unterlagen, ausstehende Untersuchungen, vereinbarte Wiedervorstellungen

Eine vollständige Sammlung allein reicht organisatorisch nicht aus. Für jede offene Aufgabe sollten eine verantwortliche Stelle und ein Bearbeitungszeitpunkt feststehen. So bleibt nachvollziehbar, welche Angaben bereits bewertet sind und wo noch Handlungsbedarf besteht.

Gegenüberstellung von Frailty und präoperativer Anämie: Angaben zu Alltag, Mobilität und Gewichtsverlauf unterstützen Frailty-Screening und klinische Beurteilung; Hb-Wert, Vorbefunde und bisherige Behandlung unterstützen Anämiediagnostik und Ursachenklärung. Beide Wege führen zur individuellen OP-Vorbereitung.

Frailty und präoperative Anämie erfordern unterschiedliche Informationen und fachliche Abklärung. Beide Wege münden in eine individuelle OP-Vorbereitung. Redaktionelle Übersicht, kein diagnostischer Algorithmus.

Frailty und Hb-Werte mit medudoc erfassen und ärztlich beurteilen

medudoc bietet für die präoperative Vorbereitung Funktionen zur Frailty-Erhebung und zur Erfassung von Hämoglobinwerten. Beides finden Ärzt:innen im Healthcare Professional Dashboard (HCP Dashboard) im Schritt Validierung und Risikobewertung. medudoc erfasst relevante Angaben und Befunde strukturiert und kennzeichnet auffällige Angaben direkt. So sehen Ärzt:innen auf einen Blick, welche Informationen für ihre Einschätzung zählen und wo weiterer Abklärungsbedarf besteht.

Bei der Frailty-Erhebung dokumentiert die ärztliche Person ihre Einstufung nach der Clinical Frailty Scale (CFS) in medudoc und ergänzt eine klinische Einschätzung. Die Oberfläche verbindet die CFS-Auswahl mit einem sichtbaren Risikohinweis und einem Freitextfeld. Einstufung und ärztliche Einschätzung bleiben so gemeinsam nachvollziehbar.

medudoc-Oberfläche mit CFS-Auswahl, hervorgehobenem Risikohinweis und einem Feld zur klinischen Einschätzung

CFS-Auswahl und dokumentierte klinische Einschätzung.

Auch Hb-Werte erfasst medudoc für die präoperative Beurteilung. Gekennzeichnete Auffälligkeiten erleichtern die gezielte Sichtung der Daten. Ob eine Anämie vorliegt und welche Ursache infrage kommt, beurteilt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Dasselbe gilt für weitere Untersuchungen oder Maßnahmen: Grundlage sind die Befunde und die individuelle Situation.

Wie medudoc Auffälligkeiten sichtbar macht, zeigt ergänzend die Ansicht zur Gerinnung: Den Hinweis auf eine aktive Antikoagulation hebt medudoc deutlich hervor.

Hervorgehobener Gerinnungshinweis in medudoc zu einer aktiven Antikoagulation

Beispiel eines hervorgehobenen Gerinnungshinweises.

Die Ansicht zur Regionalanästhesie zeigt die ärztliche Dokumentation: Ärzt:innen wählen ihre eigene Einschätzung aus und ergänzen individuelle Anmerkungen und Bedingungen.

medudoc-Eingabemaske für die ärztliche Einschätzung zur Regionalanästhesie mit Auswahlmöglichkeiten und einem Feld für individuelle Anmerkungen

Eigene Einstufung und ärztliche Anmerkungen zur Regionalanästhesie.

medudoc zeigt an. Sie entscheiden. Kennzeichnungen und strukturierte Eingaben dienen der Orientierung und Dokumentation. Die klinische Einordnung, die Risikoeinschätzung und die Entscheidung über das weitere Vorgehen trifft die Ärztin oder der Arzt. medudoc ist kein Medizinprodukt im Sinne der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR). Die Plattform sammelt, ordnet und visualisiert die Angaben; die medizinische Klassifikation nehmen Ärzt:innen vor. Die gezeigten Ansichten veranschaulichen die Funktionen, die sichtbaren Einträge sind Beispiele.

Drei Fragen für die Überprüfung des eigenen Ablaufs

Die Leitlinien sind ein guter Anlass, den bestehenden Prozess gemeinsam mit Anästhesie, operativen Fachbereichen und beteiligten Teams durchzugehen:

  1. Wann beginnt die Vorbereitung? Prüfen Sie, welche Angaben erst bei der Vorstellung in der Prämedikationsambulanz vorliegen und welche Sie bereits früher erheben können.
  2. Wer übernimmt den nächsten Schritt? Legen Sie fest, wer auffällige Angaben bewertet, fehlende Befunde nachfordert und die weitere Abklärung koordiniert.
  3. Wie wird der Bearbeitungsstand sichtbar? Machen Sie nachvollziehbar, welche Aufgaben abgeschlossen sind und welche Ergebnisse vor einer Entscheidung noch fehlen.

Berücksichtigen Sie dabei auch Patient:innen, die beim digitalen Ausfüllen Unterstützung benötigen. Ein unterstützter Ablauf vor Ort und klar erreichbare Ansprechpersonen gehören deshalb in die Planung.

Sie möchten relevante Angaben und Befunde schon vor dem Prämedikationsgespräch verfügbar machen? Erfahren Sie, wie medudoc die Anästhesiologie von der digitalen Anamnese bis zur Prämedikation unterstützt.